Zuwanderung und Migration stellen auch die Willy-Brandt-Schule vor Herausforderung – sowohl in sprachlicher als auch in pädagogischer Hinsicht. Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen werden an der Willy-Brandt-Schule zunächst in der so genannten IVK (Internationale Vorbereitungsklasse) beschult.

Im Rahmen der Beschulung neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler konzentriert sich die Willy-Brandt-Schule gemäß kommunaler Absprachen auf Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 13 Jahren, d.h. auf solche, welche vom Alter her den Jahrgangsstufen 5 bis 7 zuzuordnen wären. Dabei sie sind in den ersten zwei Jahren im Rahmen der so genannten Erstförderung von Noten befreit.

Schwerpunktmäßig lernen sie in dieser Klasse die Grundlagen der deutschen Sprache und sollen in diesem Zusammenhang so auf eine Regelklasse vorbereitet werden, dass sie dem dortigen Unterricht (auch mit zusätzlicher Anschlussförderung) folgen können. Die individuelle Lernprogression eines jeden Schülers/einer jeden Schülerin entscheidet schlussendlich über den Zeitpunkt des Übergangs in die Regelklasse. Neben Deutsch werden die Schülerinnen und Schüler auch in Mathematik, Sport, Kunst sowie Technik unterrichtet und erhalten durch die Schulsozialarbeiterin Förderung in ihrer Sozialkompetenz. Denn die Herausforderungen des Schulalltags lassen sich zunächst grundsätzlich den Bereichen „Sozialverhalten“ und „Lernverhalten“ zuordnen. Dadurch, dass Schülerinnen und Schüler verschiedener Kulturen mit unterschiedlicher bzw. teilweise gar keiner schulischen Sozialisation in ihren Heimatländern die IVK besuchen, sind Probleme mit Pünktlichkeit, dem Einhalten von Verhaltensregeln, insbesondere gegenseitigem Respekt, oder auch dem Befolgen der schulischen Kleiderordnung nahezu alltäglich.Dies trifft aber nicht auf alle Schülerinnen und Schüler zu, da auch das häusliche Umfeld hierbei eine tragende Rolle spielt.

Die Fluktuation der Schülerinnen und Schüler durch Neuzugänge oder Übergänge in die Regelklasse stellt insgesamt einen nicht unwesentlichen Faktor für ein weniger stabiles Gruppengefüge der Klasse dar, was eine intensive Schulsozialarbeit an der Willy-Brandt-Schule umso notwendiger macht. Unsere sehr gute Vernetzung zwischen den Fachlehrern, der Abteilungsleitung und der Schulsozialarbeit sowie der tägliche Austausch untereinander erlaubt es allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen, in diesem multiprofessionellen Team relativ zügig auf Probleme (auch mit einzelnen Schülern) zu reagieren und dementsprechend schnell zu handeln. Ergänzt wird diese Zusammenarbeit durch die regionale Schulberatungsstelle und die Schulpsychologin wie auch durch den Kommunalen Sozialen Dienst.

Heterogenität spiegelt sich auch im Lernverhalten wider. Wie in den Regelklassen gibt es ebenso in der internationalen Vorbereitungsklasse eher starke bzw. schnellere sowie eher schwache bzw. langsamere Schülerinnen und Schüler. Sprachbegabung, die Nähe der Muttersprache zum Deutschen, häusliche Unterstützung, eine vorab erfolgte Alphabetisierung mit lateinischen Buchstaben, z.B. über das Englische, sind Bedingungen, die sich günstig auf den Lernerfolg auswirken und die auch einige Schülerinnen und Schüler erfüllen. Erfüllen sie diese nicht und kommt ggf. noch ein sonderpädagogischer Förderbedarf hinzu, hat dies erheblichen Einfluss auf den Lernerfolg. Es ist somit naheliegend, dass im Unterricht der IVK binnendifferenzierend gearbeitet wird, d.h. die Schülerinnen und Schüler arbeiten nicht alle an denselben Aufgaben, sondern erhalten je nach Lernstand unterschiedliches Material. Da auch die Interaktion beim Spracherwerb eine wichtige Rolle spielt, arbeiten die Schüler zwischendurch auch in Kleingruppen, die ihrem Lernstand entsprechen.

Sprechen und Verstehen bereiten den Schülerinnen und Schülern meist deutlich weniger Schwierigkeiten als (Recht-)schreiben bzw. Schriftlichkeit im Allgemeinen. Dies wird in der IVK ebenfalls durch entsprechende Förderung im Unterricht berücksichtigt. Hierbei wird großen Wert auf die Textebene (sowohl produktiv als auch rezeptiv) gelegt, da die Schülerinnen und Schüler später in den Regelklassen mit einer ganzen Reihe an (Fach-)texten in Berührung kommen. Dies hat auch Auswirkungen auf die grammatischen Themen: So werden leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler in der IVK z.B. eher an das Präteritum herangeführt, als es im reinen DaF-Unterricht der Fall wäre, da diese Zeitform beispielsweise in Märchen und anderen literarischen Texten, die in den Klassen 5 bis 7 behandelt werden, vorkommt.

Der Umgang mit Texten spielt zudem auch in den zentralen Abschlussprüfungen Deutsch am Ende der Jahrgangsstufe 10 eine wichtige Rolle, denn auch für die Schülerinnen und Schüler der IVK gilt an der Willy-Brandt-Schule in diesem Zusammenhang selbstverständlich, dass sie ihren bestmöglichen Abschluss erlangen sollen. Ein Übergang in die Oberstufe mit der Möglichkeit des Abiturs ist dabei natürlich auch möglich, wie es bereits einige ehemalige IVK-Schüler in der Vergangenheit eindrucksvoll demonstriert haben.

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