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WAZ / 12.05.2007 / Lokales

Von Jörn Stender

Es ist dieser flüchtige Moment, es sind diese wenigen Sekunden der Stille, der vollen Konzentration, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören könnte. "Es geht los, wenn wir hier nur noch Atmung hören", hatte Mohan C. Thomas kurz zuvor noch verkündet, den Lärm gebannt. Und dann geht' s los. Leise zu Bizets Musik, später immer lauter kommt das Spiel in Gang, formen sich Menschenbilder, wälzen sich Leiber, stampfen, rennen, schreiten, drehen sich Körper, bilden sich Hebefiguren. Und mit leichtem Kribbeln auf der Haut spürt der Zuschauer, was Kazim & Karo werden kann - der szenische Einstieg in eine neue Welt für viele der über 150 Beteiligten. Ein Tanzprojekt als Koproduktion des Ringlokschuppens, der Musikschule Mülheim, des Kulturbetriebs, von drei Mülheimer Schulen und der Ballettschule Hötger-Wrona ist das Stück bereits auf dem Papier.
Pausenzeit im Ringlokschuppen. Gelächter, Geschiebe. Mädchen und Jungen sitzen in Shorts und Jeans, Jogger und Leggins an den Tischen, schälen Bananen, essen Äpfel, löschen ihren Durst. Es riecht ein wenig nach Turnhalle. Anstrengung und Schweiß würzen die Luft als Ergebnis intensiven Trainings. Allein 31 Mädchen und Jungen der Hauptschule Dümpten tanzen bei Kazim & Karo mit. "Wir sind die größte Gruppe", sagt ein Mädchen. "Schön" findet ein Grüppchen am Bisto-Tisch das Projekt. "Aber auch ein bisschen anstrengend."

Zurück geht es in den Probenraum. Schwarze Tücher, dämpfender Kunststoffbelag auf dem Boden, ein paar Bühnenpodeste, eine Musikanlage. Viel mehr gibt es nicht für Ohr und Auge. Mohan, der Chef der Company Tanzmoto und seine Assistentinnen Erika Pico und Maria Lucia Agon Ramirez ordnen das kurzfristige Chaos.

In den Hauptschulen Dümpten und Speldorf, in der Willy-Brandt-Schule und der Ballettschule wurde in den Wochen seit Februar intensiv einzeln geprobt. Jetzt gilt es, aus den Stücken ein Gesamtwerk zu formen, 100 Kinder zu einem großen, überspannenden Tanz-Thema zusammen zu führen, sie bald mit dem 55-köpfigen Jugendsinfonieorchester unter Leitung von Otmar Müller zu vereinen. Ein Mammutprojekt, eine große Aufgabe mit hohem Anspruch.

"Es geht nicht darum, Kinder zu parken oder zu bespaßen. Wir wollen Jugendliche an Kultur heranführen, die nicht automatisch Zugang haben. Gesamtschüler, Hauptschüler", sagt Projektleiterin Wiebke Doktor und betont: "Das sind zwar alles Laien, aber es ist hohe Qualität, die sie bringen." Und Karin Braun vom Kulturbetrieb ergänzt: "Es ist uns wichtig, dass die Jugendlichen professionell Tanz und Musik, Technik und Räume kennenlernen, dass wir ihnen einen professionellen Rahmen liefern."
Matthias Frense, Dramaturg des Ringlokschuppens, hat Motive von Ödon von Horvaths Kasimir und Karoline für das Tanzprojekt bearbeitet - eben "eines der bedeutendsten Sozialdramen". Die Frage, "ob man so eine Literatur fürs Tanztheater nehmen kann?" stellt und beantwortet Thomas in einem Zug: "Das ist perfekt. das ist ein Thema, das Jugendlich und ihre Gefühlswelt extrem anspricht." Und auch mit Georges Bizet als Tanzmusik, kombiniert mit zeitgenössischen Klangeffekten, tun sich die 13- bis 16-Jährigen Kinder nicht schwer. "Die haben keine großen Vorbehalte gegen Klassik", sagt der Choreograph. "Viele hören sie zum ersten Mal."

Mohan C. Thomas bittet seine Schüler zum nächsten Part. "Gaaanz ruhig, schön verteilen im Raum." Sein Körper bekommt Spannung. Es wird still im Saal. "Auf Anfang! Aaand go." Der Tanz geht weiter. Drei von über 150: In wechselnden Konstellationen tanzen die Jugendlichen. An drei Schulen wurde separat seit Februar geprobt. Nun werden die Gruppen vereint. Fotos: WAZ, Jiri Kollmann

 

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 25. November 2007 )

WAZ - 17.2.2007 - Lokales

Dem Licht auf der Spur - 2500 Euro für Sieger


Von Daniel Freudenreich

Die Physik-AG des Grashof-Gymnasiums möchte Armand Fizeau toppen. 1849 hatte der französische Wissenschaftler die Lichtgeschwindigkeit mit einer Zahnradmethode ermittelt - brauchte dafür aber viel Platz. Bei den Nachwuchs-Naturwissenschaftlern soll das Experiment im Klassenzimmer funktionieren. Mit ihrem Versuch haben die sechs Mädchen und elf Jungen die Endrunde des "Technikpreises VDE-Rhein-Ruhr 2007" erreicht.

Unter den besten zehn Schülergruppen, die am Donnerstag ihre Projekte vorstellen durften, war auch die Mikrocontroller AG des Helmholtz-Gymnasiums mit einem erweiterten System zur Microkontrollertechnik. Für Physik-Laien: Diese Ein-Chip-Computersysteme befinden sich von Waschmaschinen über Chipkarten bis hin zum DVD-Player, um Bedienungsfunktionen zu steuern. Zusammen mit Physiklehrer Marcel Szünstein haben die Schüler Mario Hermann, Felix Droste und Stephan Westerdick bereits weitere Komponenten angeschlossen, um ihr Controller-System zu erweitern.

Einen Traum für Hausfrauen und -männer stellten die Schüler der Janusz-Korzak-Gesamtschule in Castrop-Rauxel vor: das Konzept einer vollautomatischen Sockensortiermaschine. Scannen statt Suchen lautet dort das Motto, wenn die Fußwärmer über ein Laufband in einen Drehkorb fallen, nachdem das elektronische Auge die Farbe festgestellt hat.

Das Ende lästigen Wartens und der Fahrt in die verkehrte Richtung versprachen die Technikschüler der städtischen Gesamtschule Solingen mit ihrem Fahrstuhlsystem. Und eine Gruppe der Mülheimer Willy-Brandt-Schule will mampfende Mitschüler mit Daten aus der schuleigenen Solaranlage via Flachbildschirm in der Mensa füttern.

Bei den Grashof-Gymnasiasten zählte das Experiment - weniger die Alltags-Anwendung: Mit einem Laser wollen sie einen Lichtstrahl durch die Lücke eines rotierenden Zahnrades schicken. Dahinter reflektiert ein Spiegel den Strahl. Fällt er durch eine andere Lücke, kann man die Lichtgeschwindigkeit anhand des Zahnabstandes errechnen. Weil alle Theorie bekanntlich grau ist, will die Gruppe nun die benötigten Einzelteile kaufen und prüfen, ob das Fizeausche Zahnradexperiment auch im Kleinen klappt.

Nach der Präsentation am Donnerstag erhielt jede Schülergruppe ein Startgeld von 500 Euro. Bis zum 2. Juni haben die jungen Tüftler nun Zeit, ihre Konzepte umzusetzen. Den besten drei Teams winken Preise von 2500 Euro, 1500 Euro und 1000 Euro. Mit Zahnrad und Lichtstrahl: Patricia Breu, Mareike Fliß und Moritz Brauckmann (v.l.) vom Grashof-Gymnasium demonstrierten ihren Versuchsaufbau zur Messung der Lichtgeschwindigkeit im Klassenzimmer. Foto: WAZ, Frank Vinken

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 25. November 2007 )

Die Nachfrage an Gesamtschulen ist erneut gestiegen. Bei den jüngsten Anmeldungen ha ben sich an der Gesamtschule Saarn, der Gustav-Heinemann-Schule und der Willy-Brandt-Schule 653 Schüler um eine Aufnahme zum kommenden Schuljahr 2007/2008 beworben. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 5,8 Prozent, während die Zahl der Viertklässler nahezu gleich geblieben ist.
Auch die Zahl der Schüler, die von auswärts angemeldet wurden, nahm zu. Sie liegt jetzt bei 147.

Die Aufnahmekapazität reicht bei weitem nicht aus: Die Gustav-Heinemann-Schule erhielt 362 Anmeldungen und kann 210 Schüler berücksichtigen. In Saarn gab es 123 Anmeldungen, die Kapazität hier reicht für 184. Die Willy-Brandt-Schule kann 120 Kinder aufnehmen, 168 Bewerbungen liegen dort vor. Insgesamt können 17 Eingangsklassen an den Gesamtschulen gebildet werden. Das bedeutet, dass etwa 140 Schüler abgewiesen werden müssen.

Da in Saarn noch Plätze frei geblieben sind, haben hier von den anderen Schulen abgelehnte Schüler noch eine Chance. An der Gustav-Heinemann-Gesamtschule musste die Kapazität auf maximal sieben Eingangsklassen begrenzt werden. In dem Schulgebäude müssen weiterhin umfangreiche Brandschutzmaßnahmen und Betonsanierungen durchgeführt werden.

Noch vor Beginn des Anmeldeverfahrens zu den übrigen weiterführenden Schulen am 13. und 14. Februar werden die Erziehungsberechtigten der an den Gesamtschulen angemeldeten Kinder darüber benachrichtigt, ob ihr Kind aufgenommen worden ist oder nicht. Schüler, die eine Absage erhalten, müssen anschließend an einer anderen weiterführenden Schule angemeldet werden. Sie haben dort dann die gleichen Chancen wie diejenigen, die sich direkt für diese Schulform entschieden haben.

Die Schulverwaltung rät, im Interesse des Kindes die Anmeldung auch dann unbedingt vorzunehmen, wenn gegen die Entscheidung der Gesamtschule Rechtsmittel eingelegt werden. Für die Aufnahme eines Schülers haben die Gesamtschulen Kriterien festgelegt. Kinder aus anderen Städten haben dabei nur geringe Chancen, heißt es. "Erst einmal kommen unsere Schüler dran."